London Fashion Week: Eine Modewoche im Zeichen von Burberry

Nur selten kommt bei einer Modewoche der Eindruck auf, ihr Erfolg hänge von nur einer Marke ab. Doch an der kommenden London Fashion Week sind alle Augen auf Burberry gerichtet – und erwarten gespannt Riccardo Tiscis Debüt-Kollektion für das britische Traditionshaus.
 

B Classic, eine Interpretation des ikonischen Burberry-Designs von Riccardo Tisci - Burberry

Mit Riccardo Tisci gönnt sich der einzige wirklich global agierende Luxuskoloss Großbritanniens erstmals seit 15 Jahren einen neuen Kreativdesigner. Der Italiener bezieht Stellung in einer Stadt, die nur selten einen Ausländer an die Spitze einer ihrer Traditionsmarken hat aufsteigen lassen.

Tiscis Kollektion wird am Montag, den 17. September um 17 Uhr enthüllt. Die Saison wird aber schon am Freitagmorgen eröffnet, und zwar mit einer Show des vielversprechenden Jungdesigners Richard Malone. Insgesamt werden in der britischen Hauptstadt bis am Dienstag, 18. September, gut 70 Schauen gezeigt.

Die neue Konstellation bei Burberry dürfte für Tisci nicht gänzlich unbekannt sein, war doch CEO Marco Gobbetti bei der renommierten LVMH-Tochter Givenchy bereits mehrere Jahre lang sein Vorgesetzter.

Von Riccardo Tisci darf Unkonventionelles erwartet werden. Während seiner Zeit bei Givenchy bediente er sich einer Mischung aus Mittelmeer-Symbolik, religiöser Ikonografie und Street Chic. Seine Nachfolgerin, Clare Waight Keller, hingegen, hat bewusst das kulturelle Erbe des Modehauses Givenchy angenommen und zahlreiche Hommagen an die Muse des Gründers des Labels, Audrey Hepburn, ausgerichtet.

Der neue Kreativdesigner hat die britische Marke bereits mit seiner eigenen Ästhetik geprägt und das Logo nach einer Idee aus den Burberry-Archiven überarbeitet. Das neue Logo ist ein rundliches "B", in den für das Label typischen Plaid-Farben Beige, Schwarz und Rot.

Das Logo war im vergangenen Monat überall zu sehen, so prangte es in den jüngsten Ausgaben der wichtigsten Modezeitschriften, an Bushaltestellen in ganz Manhattan, auf Werbeflächen in London und sogar auf einem riesigen Teddybär in Shanghai.

Für Burberry übernimmt Tisci das Steuer zu einem kritischen Zeitpunkt, da das Unternehmen nicht zuletzt mehrere umsatzschwächere Jahre hinter sich hat. Die Marke wurde auch mit Kritik eingedeckt, insbesondere für ihre umstrittene Entscheidung, Produkte im Wert von mehreren Millionen Euro zu vernichten, um gegen Fälschungen anzukämpfen. Angesichts der starken Mobilisierung auf den sozialen Netzwerken wurde diese Entscheidung jedoch schnell wieder rückgängig gemacht.


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Burberry – Herbst/Winter2018 - London - © PixelFormula

Die Entscheidung des Modehauses, auf Echtpelz zu verzichten und die Ankündigung des Branchenverbands British Fashion Council, dass diese Saison keine Naturpelzprodukte gezeigt werden, dürfte der intensiven und lauten Kritik an dieser Praxis ein Ende setzen. In den vergangenen Saisons mussten Redaktoren und VIPs regelrecht gegen einen Schwarm von Demonstranten ankämpfen, um Einlass zu bestimmten Shows zu erhalten. Dem Großaufgebot an Sicherheitsleuten und Polizisten gelang es nur mit Mühe, die Überhand zu behalten.

Es sei jedoch auch daran erinnert, dass der Umsatz von Burberry unter Tiscis Vorgänger, Christopher Bailey, fast um das Dreifache angestiegen war. Somit herrscht für den neuen Kreativchef bereits ein bedeutender Erwartungsdruck. Der Umsatz von Burberry macht rund einen Drittel des Gesamtumsatzes aller Modehäuser aus, die an der London Fashion Week teilnehmen. Ein britischer Koloss, sozusagen.
 
Ebenfalls mit Spannung erwartet wird Victoria Beckhams Rückkehr nach London, nachdem die Designerin fast zehn Jahre lang in New York defilierte. Wie auch in den vergangenen Saisons in New York setzt die Britin ihre Show am Sonntagmorgen an.

Am Samstag organisiert das It-Girl Alexa Chung ihre erste Runway-Show. Bislang zeigte sie ihre Kollektionen im Rahmen von Präsentationen, meist in Paris.

Riccardo Tiscis Collaboration mit Vivienne Westwood zählt ebenfalls zu den heiß erwarteten Highlights. Die Eröffnungsshow am Freitag umfasst ikonische Entwürfe von Westwood in Burberry-Plaid-Ausführung. Die Kollektion wird zunächst online erhältlich sein.

Das Runway-Debüt von Nicholas Kirkwood dürfte ebenfalls viel Beachtung ernten. Der innovative Schuhmacher zeigt in dieser Saison seine erste Ready-to-Wear-Show.

Ebenfalls Premiere feiert Stephanie Phair in ihrer Funktion als Vorsitzende des British Fashion Councils (BFC). Die erfahrene Managerin, die zuvor für Farfetch arbeitete, folgt auf Net-a-Porter-Gründerin Natalie Massenet. Deren Zeit beim BFC wird allgemein als sehr erfolgreich erachtet, sie trug zum Ausbau der Fördermittel, Mentoringprogramme und Internet-Intelligenz für eine ganze Designergeneration bei.

Dann ist da noch Richard Quinn, dessen Show sich nur wenige werden entgehen lassen wollen. Denn in der vergangenen Saison kam ihm die Ehre einer ganz besonderen Zuschauerin in der ersten Reihe zu – Ihre Majestät, die Königin Elisabeth II. höchstpersönlich.
 

Übersetzt von Aline Bonnefoy

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