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Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
02.07.2021
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Britische Nachwuchsdesignerin Bianca Saunders gewinnt Andam-Modepreis 2021

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
02.07.2021

Zwischen den schwarz-weiß-gestreiften achteckigen Säulen von Buren, die den Eingang des Palais Royal in Paris zieren, vereinten sich am Donnerstagabend einige Kaderangestellte der wichtigsten Modeunternehmen, Journalisten und Nachwuchsdesigner. Das Event des Tages: die Verleihung der Andam Awards, die kreative Talente der Modebranche auszeichnen. Die Gewinner der 32. Ausgabe wurden an einem Abend voller Überraschungen gekürt.


Die Gewinnerin des Andam-Modepreises 2021, Bianca Saunders - ANDAM


Die französische Kulturministerin, Roselyne Bachelot-Narquin, wurde mit der Eröffnung der Zeremonie beauftragt. In der Vergangenheit wurden zu diesem Anlass bereits wichtige Designer wie Martin Margiela, Christophe Lemaire, Viktor&Rolf und Jeremy Scott ausgezeichnet. Die Ministerin erinnerte an die Bedeutung des 1989 eingerichteten Modepreises und der für die französischen Marken "entscheidenden Coaches". Weiter sicherte sie die institutionelle Unterstützung der Modeindustrie zu. "Das Ministerium wird den Wandel der Branche begleiten", versicherte sie den anwesenden Branchenvertretern, die mit Spannung die Ankündigung der Preisträgerinnen und Preisträger erwarteten.

Cédric Charbit, CEO von Balenciaga und Coach der Ausgabe 2021 der Veranstaltung, lüftete den Vorhang. Ohne ausschweifende Einleitung verkündete der Manager die Gewinnerin des Grand Prix: Bianca Saunders. Der mit EUR 300.000 dotierte Preis wird durch ein einjähriges Coaching vom höchsten Manager des Hauses Kering ergänzt. Saunders setzte sich gegen sechs andere Finalisten durch: GmbH, Area, Rokh, Casablanca, Ludovic de Saint-Sernin und Wales Bonner. Letztere, die 2016 bereits den LVMH-Nachwuchstalentpreis erhielt, ging dennoch nicht mit leeren Händen aus. Zum ersten Mal in der Geschichte der Veranstaltung bot Andam einer zweiten Finalistin ebenfalls ein Coaching-Jahr.

"Das ist unglaublich, ich stehe noch völlig unter Schock", erklärte die Menswear-Designerin Bianca Saunders auf Anfrage von FashionNetwork.com. Sie war sichtlich überrascht, dass sie den Hauptpreis erhielt. Der Preis wurde in diesem Jahr von der französischen Designerin Marine Serre gestaltet. "Ich habe das wirklich nicht erwartet, denn meine Marke ist etwas anders als die anderen, die auf eine gewisse Art 'pariserischer' sind. Ich hatte mich hier noch nie präsentiert und diese Chance ist ein großer Schritt für mich", erklärte die begeisterte Designerin, die ihr Studium am Royal College of Art in London absolvierte.

"Das war ein verrücktes Jahr. Ich habe es alleine verbracht, gelernt, viele Dinge auf meine Art zu tun und über die Ausrichtung, die ich meiner Marke geben wollte, nachzudenken", erklärte Saunders weiter. Sie ist überzeugt, dass die weitere Entwicklung ihrer Marke über die Einrichtung eines Online-Standbeins sowie die Öffnung für andere Produktkategorien, wie Accessoires, führt. "Ich hoffe, dass ich meine Arbeit als nächsten Schritt im September in Paris zeigen werden kann", strahlte die Designerin mit britischen und karibischen Wurzeln, die dieses Jahr auch Finalistin des LVMH-Preises war.



Florentin Glémarec und Kévin Nompeix, das Duo, das hinter EgonLab steckt - Andam


Guillaume Houzé und Nathalie Dufour, Präsident und Geschäftsführerin des Andam-Preises, verkündeten den Gewinner des Pierre Bergé-Preises. Dieser dient der Förderung französischer Nachwuchsmodelabel und ist mit EUR 100.000 dotiert. Ausgezeichnet wurden die "visuellen Künstler" Florentin Glémarec (25 Jahre) und Kévin Nompeix (28 Jahre). Die beiden gründeten 2019 das Genderless-Label EgonLab und widmeten den "unerwarteten" Preis ihren Großeltern Marie-Louise und René. Das liebenswerte Paar ist generell in den Bildern der Kollektionen von EgonLab zu sehen. Am Donnerstagabend zeigten sie sich in einem schwarzen Sportoutfit der Marke.
 
"Der Preis ist nicht nur für uns, er ist für die ganze große Familie, die hinter dem Erfolg des Projekts steht. Wir haben kurz vor der Pandemie losgelegt und wir hatten noch keine Gelegenheit zu sehen, wie das Geschäft tatsächlich läuft, deshalb warten wir wirklich ungeduldig darauf, dies nun endlich entdecken zu können", erklärten die beiden im Gespräch mit FashionNetwork.com. Was sie besonders überraschte, war es, in einer Kategorie zu gewinnen, in der sie gegen Designer wie Ester Manas, Charles de Vilmorin und Uniforme Paris antraten. Der Pierre Bergé-Preis stellt einen Wendepunkt für sie dar: "Wir wollen im Januar 2022 eine physische Modenschau organisieren, das ist ein Projekt, das uns am Herzen liegt. Wir möchten das Unternehmen strukturieren und in Zusammenarbeit mit französischen Handwerkern Maßschneiderei anbieten, sowie einen Slow Fashion-Ansatz verfolgen".


Sonia Ahmimou erhält den Accessoires-Preis - Andam


Der mit EUR 50.000 dotierte Accessoires-Preis wurde von Giovanna Battaglia Engelbert, Global Ceative Director von Swarovski, an die "Made in Paris"-Lederwarenmarke Aswad verliehen. "Ich habe meine Karriere im Lederwarenuniversum als Kunsthandwerkerin begonnen, ich war Arbeiterin in den Ateliers von Louis Vuitton, Hermès und Moynat", erinnerte Sonia Ahmimou, und widmete den Preis den Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerkern. Sie setzte sich im Finale gegen die Schmuckmarke Samuel François und das österreichische Studio Published By durch. Das 2015 gegründete Label Aswad bringt traditionelle Verfahren mit französischen und marokkanischen Codes zusammen.
 
Das finnische Start-up Spinnova erhielt schließlich den ebenfalls mit EUR 50.000 dotierten Innovationspreis.

Die diesjährige Jury wurde von Cédric Charbit geführt und umfasste Berühmtheiten wie die Designer Phoebe Philo und Kerby Jean-Raymond sowie die Sängerinnen Chris Lee und Lisa Manobal der Band Blackpink. Ebenfalls in der Jury der vom französischen Kulturministerium unterstützten Veranstaltung saßen Branchenvertreter wie die Geschäftsfrau Natalie Massenet, Amazon-Modeverantwortliche Sally Singer, der Fotograf Juergen Teller, der Kritiker Pierre M’Pelé aka. Pam Boy, die Sängerin Lou Doillon und die Beraterin Linda Loppa. Aufgrund der Pandemie musste ein Großteil der Arbeit der Jurymitglieder digital organisiert werden.

"Eine schöne Ausgabe, in der wir 14 Nominierte hatten, statt 10 wie normalerweise. Es gab viele spannende Projekte", sagte Andam-Gründerin Nathalie Dufour mit Blick auf die aus über 300 Kandidaten ausgewählten Finalisten. Im Gespräch mit FashionNetwork.com erklärte sie: "Wir wollten ein Zeichen der Öffnung setzen, der Möglichkeiten, für diese Designer, die ihre Projekte mit Stolz zeigten. Die Wahl war nicht einfach und das Niveau sehr hoch", erkannte Dufour, und betonte, dass die Auswirkungen der Pandemie auf die Preise von 2021 die Rolle der Hauptstadt in der Mode noch verstärkten: "Es wurde mir bewusst, dass Paris für Modedefilees noch immer ein unglaublicher Traum bleibt. Die Anziehungskraft der Pariser Bühne ist sehr stark. Unsere Finalisten, die aus aller Welt gekommen sind, wollen hier Anerkennung finden", schloss sie.
 

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