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AFP
Übersetzt von
Felicia Enderes
Veröffentlicht am
18.02.2022
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3 Minuten
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Caroline Rush (BFC): "Viele Designer begrüßen das Hybridformat"

Von
AFP
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Felicia Enderes
Veröffentlicht am
18.02.2022

Die Londoner Fashion Week startete am Freitag für fünf Tage im Hybridformat, wobei die Rückkehr zur Normalität vor der Pandemie noch in weiter Ferne liegt und der Brexit eine Herausforderung bleibt, wie Caroline Rush, Direktorin des British Fashion Council (BFC), der Nachrichtenagentur AFP anvertraut.

Caroline Rush - BFC


Dennoch wird die digitale Präsentation der Kollektionen von vielen Marken als kreative und kommerzielle Chance empfunden, so dass sich hybride Präsentationsformen als dauerhaft erweisen könnten.

Wie wird die Londoner Modewoche nach zwei sehr schwierigen Jahren aussehen?

Caroline Rush: Wir freuen uns sehr, dass wir in dieser Woche wieder hybride Präsentationen anbieten können, mit etwa 60 digitalen und ca. 50 physischen Veranstaltungen. Die Nachfrage nach persönlichen Erfahrungen ist groß und ich freue mich auf die Rückkehr eines internationalen Publikums. Wir sind eindeutig noch nicht wieder im Normalzustand, aber es ist ein Fortschritt im Vergleich zu dem, was wir im September hatten, und der September war bereits eine Verbesserung [im Vergleich zum Höhepunkt der Pandemie, als die Fashion Week abgesagt werden musste, Anm. d. Redaktion].

Wir werden weniger Leute aus den asiatischen Ländern dabei haben, die noch immer nicht reisen können, aber es sind Vertreter aus dem Vereinigten Königreich hier, also kann man trotzdem Geschäfte machen und sich die Kollektionen ansehen, und online zu kaufen ist etwas, an das sich die Leute gewöhnt haben.

Ich weiß nicht, ob wir jemals wieder dorthin zurückkehren werden, wo wir vorher waren. Der Zwang, zu digitalen Präsentationen von Kollektionen überzugehen, hat in den letzten zwei Jahren viele Designer inspiriert, und nun liegt es an ihnen, zu entscheiden, wie sie ihre Arbeit zeigen wollen. Viele von ihnen können sich entscheiden, im Februar eine physische und im September eine digitale Präsentation zu zeigen, sie begrüßen das Hybridformat sehr.

Wie haben sich die Pandemie und der Brexit ausgewirkt?

CR: Es waren zwei sehr schwierige Jahre. Die Pandemie hat jeden in der Branche getroffen, die digitalen Verkäufe (sind sprunghaft angestiegen) und die Art und Weise, wie wir einkaufen, hat sich verändert.

Die durch Covid-19 verursachte Lieferkrise war eine echte Herausforderung. Einige Designer können ihre Kollektion nicht zeigen, weil es in ihrer Fabrik zu einem Anstieg der Infektionsfälle kam. Es bleibt schwierig, eine Kollektion rechtzeitig zu produzieren, aber es wird besser.

Der Brexit ist weiterhin eine Herausforderung für die Modeindustrie, ob es nun um Zölle, Bürokratie oder Visa geht, damit die Leute in verschiedenen Ländern arbeiten können. Wir stehen in einem aktiven Dialog mit der Regierung. Natürlich gibt es Freihandelsabkommen, die geschlossen werden, und wir wollen sicherstellen, dass die Modeindustrie im Mittelpunkt der Gespräche steht und dass die Schwierigkeiten und Lehren aus dem Brexit berücksichtigt werden. Aber wir sind optimistisch, wir haben unglaubliche Designer, Innovation und Kreativität, und das dringt weiterhin in die ganze Welt.

Die Modebranche wurde in den letzten Monaten wegen ihrer negativen Auswirkungen auf die Umwelt stark kritisiert...

CR: Wir werden (während der Fashion Week) viel über Nachhaltigkeit sprechen, denn als Industrie wissen wir, dass wir einen Einfluss auf den Planeten haben. Wir haben uns verpflichtet, darüber nachzudenken, wie wir in Großbritannien zu einer zirkuläreren Mode übergehen. Die Designer haben bei diesem Übergang eine Vorreiterrolle übernommen und viele neue Talente wollen unbedingt Unternehmen gründen, die sich auf Nachhaltigkeit konzentrieren. Wir müssen jetzt über Materialien nachdenken, aber dafür brauchen wir Infrastrukturen zum Sammeln und Recyceln (von Altkleidern).

Designer und Unternehmen denken in Kategorien wie Wiederverkauf oder Reparaturen, um die Lebensdauer eines Kleidungsstücks zu verlängern, aber wir haben in Großbritannien nicht unbedingt die Infrastruktur für mechanisches und chemisches Recycling. Dies ist eine großartige Gelegenheit für das Land, um Qualifikationen und Arbeitsplätze zu schaffen.

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