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Übersetzt von
Felicia Enderes
Veröffentlicht am
03.02.2022
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5 Minuten
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CIFF: Skandinavische Nachhaltigkeit übersteht die Pandemie mit Eleganz

Übersetzt von
Felicia Enderes
Veröffentlicht am
03.02.2022

Die Copenhagen International Fashion Fair (CIFF), die am Dienstag eröffnet wurde und heute zu Ende geht, stand ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit und der Überwindung der Pandemie mit einem gewissen skandinavischen Sinn für Resilienz.


Photo: CIFF



Obwohl die Besucherzahlen aufgrund der Pandemie noch immer rückläufig sind, ist die CIFF nach wie vor die wichtigste Modemesse Skandinaviens und ein wahrer Gradmesser für die Lage der Branche.
 
In dieser Saison findet die CIFF zum 58. Mal statt. Sie wurde als Branchenverband gegründet, um Kopenhagen mehr Sichtbarkeit in der Modewelt zu verschaffen, ist heute aber eine private Einrichtung. Die CIFF arbeitet eng mit der Copenhagen Fashion Week und ihrer Laufsteg-Saison zusammen, da die beiden Veranstaltungen gleichzeitig stattfinden.

Die Kollektionen und kleinen Schauen, die im Rahmen der CIFF zu sehen waren, waren allerdings oft innovativer und origineller als die Laufstegshows, die während der Kopenhagener Modewoche stattfanden, was eine seltsame Umkehrung der Logik darstellt und der Intuition widerspricht. Ein weiterer Artikel, der sich den Modenschauen in der dänischen Hauptstadt widmet, folgt in Kürze.
 
Ein Beispiel: Iso. Poetism by Tobias Birk Nielsen, eine sehr coole, raue Marke, die sensationelle Oberbekleidung zeigte. Eine clevere, konzeptionelle Marke mit vielen neuen Ideen. Von den abgetragenen grauen Sweatshirts mit großartiger Ätzgrafik bis hin zu den raffiniert geschnittenen voluminösen Hosen, die allesamt mit strapazierfähigen Abschlüssen versehen sind. Dazu Accessoires wie zementgraue Hüte und sogar Schwimmwesten.


 


 
Obwohl er sich irgendwo zwischen Rick Owens und Yohji Yamamoto bewegt, ist Tobias Birk Nielsen ein ganz eigener Charakter – und nach 48 Stunden in der dänischen Hauptstadt die einzige Marke, die das Zeug dazu hat, in Paris aufzutreten. Als Rains im vergangenen Monat während der Pariser Herrenmode-Saison erfolgreich defilierte, war dies die erste Laufstegshow einer skandinavischen Marke im sehr schwer zugänglichen offiziellen Pariser Kalender.
 
"Während der Pandemie mussten wir uns die Frage stellen, ob es eine Zukunft für Messen gibt. Und mein Bauchgefühl sagt mir, dass es sie gibt. Wir müssen uns nur weiterentwickeln und besser werden. In Zukunft müssen wir mehr Unterhaltung, mehr Erlebnisse schaffen. Wir können uns nicht darauf verlassen, dass die Leute nur zweimal im Jahr zu einer Messe kommen. Das war früher unser Privileg. Jetzt gibt es endlose Saisons.  Und ein großer Teil des Handels läuft online über New Order oder Joor und diese Plattformen", so Christina Neustrup, Geschäftsführerin des CIFF, die ihr Amt im Oktober 2020 antrat.
 
Die CIFF ist in mehrere kuratierte Sektionen unterteilt, allen voran CIFF Sustain. Hier findet man Konzepte wie Copenhagen Cartel, das coole Bademode in klug gewählten Farbtönen zeigte, die aus recyceltem Plastik aus den Ozeanen hergestellt wurde. Und, ganz neu, sehr bequeme T-Shirts und Sweatshirts aus einer Mischung aus Bio-Baumwolle und isländischem Seegras. Ein großartiges Naturprodukt, das kein frisches Wasser benötigt, da es im Meer wächst und sich natürlich regeneriert. Allerdings erntet Copenhagen Cartel den Seetang nur alle vier Jahre, um die Natur so gut es geht zu schonen.
 
Obwohl die meisten Marken aus Skandinavien stammen, sind ihre Namen eher englisch, wie Fine Chaos, Studio Stars oder Care by Me. Der dänische Modekonzern DK Company hat sogar einen eigenen riesigen Ausstellungsbereich mit Marken wie Lounge Nine, Part Two, Saint, Soaked und !Solid.
 
Die CIFF hat zudem eine kleine Vintage-Abteilung mit 3AM Eternal Deluxe oder Before Midnight eingerichtet, in der man gebrauchte Labormäntel von Commes des Garcons und Plissé-Anzüge von Issey Miyake finden kann.


Palm Angels x Mate - Photo: Mate



"Wir sind ein taktiles Business, also müssen die Dinge einladender sein, und ich glaube, wir brauchen mehr Wissensaustausch. Wir haben so viele Herausforderungen – Digitalisierung, logistische Probleme und Nachhaltigkeit. Wir waren in der Modebranche schon immer sehr verschlossen und hatten Angst, dass uns jemand unsere besten Ideen klaut. Jetzt müssen wir mehr zusammenarbeiten", meinte Neustrup.
 
Während der gesamten Veranstaltung gab es stündlich gut besuchte Vorträge und Videopräsentationen von Branchenexperten in einer erstklassigen Location.
 
Auf der CIFF gibt es mehr als nur Mode, zum Beispiel Mate. Dieser führende Hersteller von Elektrofahrrädern hat einen Stand und sogar eine Teststrecke, auf der man seine neuesten Modelle ausprobieren kann.
 
Die E-Bike-Marke hat sich mit dem italienischen Skateboard-Modelabel Palm Angels zusammengetan. Das Ergebnis ist ein absolutes Must-Have-Fahrrad, das supercool aussieht und auf unheimliche Weise wie ein Cabrio zu beschleunigen scheint, wenn man sich beim in die Pedale treten anstrengt.
 
In dieser Saison zählt die CIFF etwa 500 Aussteller, was einen deutlichen Rückgang gegenüber einer normalen Ausgabe von etwa 1.500 Ausstellern bedeutet, obwohl die Stimmung alles andere als gedrückt war, da mehrere große internationale Marken mit beeindruckenden Ständen vertreten waren.
 
So wie Nobis, der kanadische Spezialist für Bekleidung und Daunenjacken, der zum ersten Mal auf der Messe ausstellte.
 
"Der skandinavische Markt ist für uns ein wachsender Markt. Es war also ein guter Zeitpunkt, hierher zu kommen. Und weil es so ruhig ist, konnten wir einen tollen zentralen Standort finden. Und das lasse ich mir nicht entgehen", lacht Robin Yates, Gründer und CEO von Nobis.


Nobis' Lunar New Year-Kapsel - Photo: Nobis


 
Über 70 % der Marken sind Scandi-Labels, aber es sind auch viele internationale Unternehmen vertreten – darunter asiatische, italienische, französische, niederländische und deutsche. Die Organisatoren rechnen mit 8.000 bis 10.00 Besuchern, hauptsächlich Einkäufern, was wiederum etwa 60 % der normalen Besucherzahl entspricht. Unter ihnen ist auch Andreas Murkudis, dem Berlins angesagteste Modeboutique gehört, wo er in diesem Frühjahr eine Reihe dänischer Designer vorstellen will.
 
Die Messe berechnet etwa 2.000 dänische Kronen pro Quadratmeter, umgerechnet also weniger als die Hälfte der Pitti-Tarife in Florenz, zum Vergleich.

"Aber der Preis pro Quadratmeter ist nicht so wichtig. Was wirklich kostet, ist der Bau des Standes", mahnte Maximilian Bock, CEO des Familienunternehmens Marco O'Polo, das die schönste Installation präsentierte.
 
Obwohl in Stockholm gegründet und hauptsächlich in der Türkei und in Italien hergestellt, bezieht Marc O'Polo seine Stoffe hauptsächlich aus Italien, und das Ergebnis ist ein sehr überzeugender, glaubwürdiger Scandi-Chic zu einem nicht allzu schmerzhaften Preis. Besonders hervorzuheben sind die tollen Karohemden und Mäntel, die alle aus feiner Wolle bestehen, die von Manteco, dem italienischen Textilspezialisten mit Sitz in Prato, wiedergewonnen, geschreddert und recycelt wurde.
 
Eine gute Metapher für die CIFF und für die Mode im Allgemeinen.

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