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09.05.2009
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Der zeichnende Modezar - Rostock im Joop-Fieber Von Jan-Henrik Petermann, dpa

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DPA
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09.05.2009


Wolfgang Joop
Rostock (dpa) - Als deutsche Stilikone und schillernder Modezar mit Hang zum gepflegten Understatement ist Wolfgang Joop in der ganzen Welt wohlgelitten. Seine kreative Vielfalt jenseits des Laufstegs dürfte bislang aber nur eingefleischten Fans bekannt sein. Die Rostocker Kunsthalle will dem jetzt Abhilfe schaffen: «Eternal Love» (Ewige Liebe) heißt die Schau, in der der gebürtige Potsdamer von diesem Samstag an Zeichnungen, Skulpturen und Entwürfe aus der eigenen Werkstatt präsentiert. Allen Exponaten des Star-Designers ist dabei eines gemein: Sie sollen veranschaulichen, wie nahe sich «moderne» und «textile» Kunst im schöpferischen Prozess kommen.

«Der heutige Kunstmarkt orientiert sich vor allem an Glamour», meint Joop. Nicht mehr das «Bildungsbürgertum» habe die Erklärungs- und Deutungshoheit inne. «Moderne Kunst muss sich von selbst erklären. Das ist der Bereich, wo Kunst und Mode sich treffen.» Derlei Treffpunkte vereint die Rostocker Schau zuhauf: Dreh- und Angelpunkt ist die Installation «Nessel» mit der Nachbildung eines Werkstatt-Tisches, auf dem Joop zahlreiche Skizzen, Textfragmente, Collagen, Fotos und Model-Streckbriefe ausgelegt hat.

Gleich nebenan ist der Arbeitsprozess schon in die nächste Phase eingetreten: Mehrere Dutzend Kleiderentwürfe des Joop-Labels «Wunderkind» lassen den Betrachter erahnen, wie viele ideelle Blitze im Kopf des Gestalters erst gezündet werden müssen, bevor das materielle Endergebnis Gestalt annehmen kann. Die Ausstellung bietet Joop denn auch reichlich Raum zur Selbstreflexion: «Kunst macht man, wenn man sich selber nicht genügt. Denn Talent zu haben, ist auch eine Bürde: Man ist gezwungen, immer den nächsten Schritt zu machen.»

Das Titelwerk «Eternal Love» setzt die heitere Beschwörung dieser künstlerisch-modischen Mélange fort. Aber es offenbart auch dunkle Gedanken aus der intimen Erfahrungswelt Joops: Die fünf großflächigen Handstickereien aus Batist zeigen eine «ewige Braut» als filigran gesticktes Wesen mit Skelettkopf in schwärmerisch-bedrohlicher Pose; auch die Varianten in Schwarz und Ocker enthalten Totenköpfe, die von Rosenkränzen geziert werden. «Dem liegt mein Verständnis von Romantik zugrunde», sagt Joop. Er habe untersuchen wollen, wie sich «Unschuld und Reinheit» menschlicher Beziehungen verändern können.

Auch das bildhauerische Werk des Potsdamer Multitalents, das neben Jil Sander und Karl Lagerfeld zu den bekanntesten deutschen Modeschöpfern zählt, spiegelt die Verarbeitung einschneidender Erlebnisse wider. Die Skulptur «Broken Angel's Wing» zeigt einen abgetrennten Granit-Engelsflügel mit einer klaffenden Wunde aus Amethyst. In «Good Morning Monday Morning» pellt sich ein kleiner Marmor-Engel in vier Etappen aus einem überdimensionalen Ei.

«Es ist für mich ein Trost, mich in die Arme der Kunst zu werfen», erklärt der Meister, der gern auch Maler geworden wäre. Als Künstler lebe man «in diesem klaustrophobischen Moment». Die glitzernde Modewelt unterliege dagegen meist schnelllebigen Launen, meint der Gründer des 2003 verkauften Mode- und Kosmetik-Imperiums JOOP!

Allerdings wäre Joop nicht Joop, nutzte er das Rampenlicht des Kunstbetriebs nicht auch gleichzeitig für eine Vorstellung seiner neuesten Modeschöpfungen. «Eternal Love» umfasst deshalb auch ganz nebenbei eine Auswahl von Kreationen, die Bestandteil der aktuellen Frühjahres- und Sommerkollektion sind. Ein bescheidener Ausblick auf die Winterkollektion 2009/2010 darf ebenfalls nicht fehlen. Wie dies alles mit der bildenden Seite in seinem Werk zusammenpasse? «Was man auf den Avantgarde-Laufstegen heute sieht, das ist Installation und nicht mehr Bekleidung», entgegnet Joop. «Der Weg von "Wunderkind" ist der Weg der Kunst.» Bis zum 28. Juni können sich die Besucher in Rostock davon ihr eigenes Bild machen.

(Internet: www.kunsthallerostock.de)

[Kunsthalle]: Hamburger Straße 40, 18069 Rostock dpa jap yymv a3 hu

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