Dior Homme in Tokio: Modernistische Show mit kriegerischer Roboterfrau

Der Designer Kim Jones lud am Freitagabend in Tokio zu seiner jüngsten Show ein: Es ist das erste Mal, dass die Marke eine Menswear-Pre-Fall-Collection auf die Laufstege bringt.
 

Photo: Fashionsnap


Kim Jones inszenierte seine Pre-Fall-Collection 2019 in einem wundervollen Set, auf dem eine 12 Meter hohe Roboter-Kriegerin des Künstlers Hajime Sorayam thronte. Die mit einem Visier und futuristischen Schädel versehene Skulptur war von vergrößerten Kirschblüten umgeben.

Das Set kontrastierte deutlich mit der Debütshow des Designers für Dior, als er ein Werk des Künstlers Brian Donnelly in Szene setzte: Ein riesiges Hündchen in Rosa und Schwarz, das auf den Namen "Kaws" hörte.

In Tokio strömten rund 1000 Fans, Influencer, Moderedaktoren und Stars zur Show im industriell anmutenden Telecom Center. Kate Moss, David Beckham, ASAP Rocky, Bella Hadid, Jordan Barrett und Ezra Miller saßen in der ersten Reihe. Die Show begann mit einer Reihe von monochromatischen Looks, in einer dunkleren Schattierung des berühmten Blassgraus von Christian Dior.

Kim Jones entwarf Hahnentritt-Trenchcoats und schicke Smokings, die sich durch die Verschiebung der Knopfleiste um 10 cm nach links sanft um den Oberkörper wickeln. Ein wahres Meisterwerk der Schneiderkunst, auf das Monsieur Dior stolz gewesen wäre.

Er kombinierte diese mit Rollkragenpullover und Seidenhemden mit Kirschblütenaufdruck, an den Füßen trugen die Models mehrheitlich feste Stiefel. Auch Jones trug ein solches Paar als er sich nach der Show vor dem Publikum verneigte.

Der Kreativdesigner enthüllte eine Metallicsilberne High-Tech-Version des Dior Logos mit einem Steuerrad im O in einem der Eröffnungslooks, einem Après-Ski-Pullover mit Hosen und silbernen Stiefeln. Außerdem entwarf er ein dreieckiges CD-Logo mit Science-Fiction-Schriftzug. Ein geschicktes Spiel mit der Essenz von Dior.

Kim Jones griff seine vielbeachteten Anzüge mit kontrastierenden Ärmeln aus dem Juni-Debüt wieder auf und setzte sie in neuen Zweireihern aus glänzender, feiner Wolle um. Für Clubgänger entwarf er einwandfreie Maschenware, auf der fette "Dior"-Schriftzügen prangen. Auch der mittlerweile als Klassiker gehandelte Multi-Dior-Print auf Bomberjacken, Rucksäcken und einer sehr männlichen XL-Satteltasche waren wieder mit von der Partie.


Photo: Fashionsnap

 
Die kleinen Metallhelme und Klettergurte sorgten für einen eher kriegerischen Gesamteindruck. Die generelle Ausrichtung war elegant, mit einem Hauch Kampfstiefel, während im Hintergrund ein elektronischer Soundtrack wummerte, auf dem auch John Hopkins zu finden war.

Während seines Aufenthalts in Tokio eröffnete der Designer einen Pop-up-Store im Kaufhaus Isetan im Shinjuku-Viertel. Hier werden zwei Wochen lang Stücke einer Capsule Collection der Frühjahr-/Sommerkollektion angeboten. Die Frühjahrs-Capsule 2019 wurde vor der weltweiten Markteinführung am Samstag auch im Dior-Flagshipstore im japanischen Luxus-Einkaufszentrum Ginza Six eingeführt.

"Japan ist ein magisches Land, das mir sehr vertraut ist. Ich liebe die unglaubliche und einzigartige Kultur, Geschichte und Natur des Landes. Japan war für mich schon immer faszinierend und eine wichtige Inspirationsquelle", erklärte Kim Jones vor der Show.

In einem packenden Teaser-Clip vor der Show wurde eine rasend schnelle Reise durch die Schnellstraßen Tokios gezeigt, während die Kamera im Bladerunner-Stil um die Wolkenkratzer der japanischen Hauptstadt schwirrte.

Jones setzte in seiner Funktion als Menswear-Designer bei Louis Vuitton in allen Kollektionen Unmengen von Pelz ein. Auch in der jüngsten Show in Japan zeigte er exotische Chirurgen-Hemden, Blousons und einen großartigen Mantel in grünem und anthrazitfarbenem Persianer. Grün war auch auf schillernden Jacken, und zahlreichen Laserpfeilen auf der riesigen Amazonenstatue aus Aluminium zu sehen, zu deren Füssen der Designer sich verneigte und dem Publikum zulächelte. Alles in allem, eine sehr gründliche Kollektion mit einem Spritzer ortsbezogener Fantasie und Anspielungen und vielen neuen Ideen und Entwürfen.

Einigen Beobachtern ist nicht entgangen, dass die Statue von Sorayama einen gelben Strumpfhalter trug. Sie sehen darin einen versteckten Hinweis darauf, dass Kim Jones als potenzieller Nachfolger von Maria Grazia Chiuri an der kreativen Spitze der Womenswear von Dior gehandelt werden könnte.
 

Übersetzt von Aline Bonnefoy

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