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Jacquemus: Ein Kleid im Kornfeld

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
18.07.2020
Lesedauer
3 Minuten
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Am Donnerstag kehrte mit Simon Porte Jacquemus endlich wieder Live-Mode nach Frankreich zurück. Mitten in einem Weizenfeld im Nordwesten von Paris zeigte er eine erstaunliche Show mit bezaubernden Models.


Jacquemus – Frühjahr/Sommer 2021 - Paris - Instagram/Jacquemus


Die Gäste wurden in die 90 Minuten von der französischen Hauptstadt entfernte Region in der historischen Grafschaft Vexin gefahren. Deren Name stammt von einem alten gallischen Volk, den Veliocasses, die bereits Iulius Caesar bekriegt hatten. Etymologisch lässt sich die Bedeutung des Namens auf das Wort "ehrlich" zurückführen.
 
Und genau so lässt sich auch die jüngste Jacquemus-Show bezeichnen. Ein idyllischer Moment, mit exotischen Schönheiten, die durch ein unendliches Weizenfeld marschieren, während der Wind durch die Ähren streicht. Wie in einem Gemälde von Van Gogh ließen sich die Gäste auf alten Holzstühlen im Weizenfeld nieder.

Die Models erklommen langsam die 300 m entfernte Hügelkuppe und liefen dann vor dem dunkelglühenden Sonnenuntergang über einen kurvenreichen Sperrholz-Laufsteg auf die Gäste zu. Analog dazu waren auch die Kleider kurvenreich und zeigten viel Haut von vorzüglich ausgewählten Models, die zu den angesagtesten ihrer Generation zählen. Der Stil von Jacquemus ist definitiv nichts für schwache Nerven.

Seine Schnitte überzeugen mit einer in die Länge gezogenen Silhouette. Wehende Hosen mit hohem Bund und kurze Baumwoll-Capes, feurige BHs oder Mini-Boleros mit riesigen Bauschärmeln. Formen wie aus einem kurvigen Joan Miró-Gemälde oder einer frühen Pflanzenfotografie von Karl Blossfeldt.
 
"Ich wollte wirklich am Fall der Stoffe arbeiten, und einen neuen Sinn für Proportionen schaffen", ergänzte der Designer, der den Lockdown in seiner Geburtsregion, der Provence, verbrachte.

Jacquemus ließ für diese Co-ed-Show allerlei künstlerische Verweise in eine großartige Serie von Herrenhemden einfließen: Spitzige, goldene Muster von Alexander Calder, Sonnenzeichnungen von Jean Lurçat und sogar Howard Meisters berühmter Power-Strut-Stuhl war auf einem weißen Baumwollhemd zu sehen. Bleistiftröcke mit ährchenähnlichen Details, und auch einige gelungene Mini-Clutches im Weizenlook.

Der Soundtrack zur Show bot Musik von Goran Bregović sowie eine umwerfend leidenschaftliche Flamenco-Nummer von Luz Casal, die über Lautsprecher im Weizenfeld übertragen wurde. Das Publikum umfasste nur knapp 80 Gäste, darunter auch Isabelle Adjani, die sich unter einem riesigen Strohhut des Designers versteckte. Alle spendeten am Ende herzlichen Beifall, als Jacquemus ganz oben auf der Hügelkuppe zum Winken ansetzte.


Jacquemus – Frühjahr/Sommer 2021 - Paris - Instagram/Jacquemus

 
"Ich wollte im Freien sein, aber nicht in der Provence oder im Süden wie normalerweise. In der Nähe von Paris, in Anbetracht der besonderen Umstände", erklärte Jacquemus, der bereits Schauen in einem Lavendelfeld und an einem Strand in der Nähe von Marseille organisiert hat.

Ende September werden in Paris wieder traditionellere Laufsteg-Schauen organisiert, nur die Anzahl Besucher dürfte aufgrund der Social-Distancing-Maßnahmen eingeschränkt bleiben. Jacquemus steht jedoch nicht auf dem herbstlichen Programm, da er nun seine Frühjahrskollektion gezeigt hat.

"Mein Kalender umfasst zwei Schauen pro Jahr, mit Co-ed-Kollektionen. Wir haben uns im Unternehmen auf eine Entschleunigung ausgerichtet und diese Organisation ist für mein Team viel weniger anstrengend. Das ist mir sehr wichtig. Dadurch können wir aus dem unerbittlich intensiven Moderhythmus ausbrechen", betonte der Designer, bevor er sich im schmeichelhaften Licht der Abenddämmerung zum Aftershow-Cocktail begab.

Wer ruft, der wird gefunden.

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