Textil+Mode: Simon mahnt IG Metall zur Mäßigung

Bereits vor den am Donnerstag, 6. Dezember, beginnenden Tarifverhandlungen für die westdeutsche Textil- und Bekleidungsindustrie hat der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Markus Simon, die Forderungen der IG Metall als völlig überzogen und "aus der Zeit gefallen" zurückgewiesen.

Mahnt die IG Metall zur Mäßigung: Verhandlungsführer Markus Simon. - Textil+Mode

"Wer mit 5,5 Prozent mehr Entgelt in die Gespräche geht, ignoriert die konjunkturellen Rahmendaten. Die Forderungen der Gewerkschaft sind völlig aus der Zeit gefallen. Über unseren Unternehmen ziehen sich gerade dunkle Wolken zusammen. Wer davor die Augen verschließt, riskiert die Existenz einer mittelständischen Industrie, die in vielen strukturschwachen Regionen Zukunft sichert", so Markus Simon, zudem Vorsitzender der Geschäftsführung der Verseidag–Indutex in Krefeld.

Aus Sicht der Arbeitgeber stünden in diesem Jahr besonders schwierige Tarifverhandlungen bevor. Die hohen Abschlüsse in der Metall- und Elektroindustrie zu Beginn des Jahres hätten Erwartungen geweckt, die angesichts der abgekühlten wirtschaftlichen Lage völlig überzogen sind.

Der Boom sei vorbei, die weltweite Abkühlung der Konjunktur setze sich schneller fort als gedacht. Das treffe die deutsche Textilindustrie, die rund 44 Prozent ihres Umsatzes im Export erwirtschaftet, bereits spürbar.

Die bereits vorherrschende Flaute kann man auch in der Textilwirtschaft Ostwestfalen beobachten, auch wenn teils hausgemachte Probleme unterschiedlich gelagert sind. 

Erstmals verzeichnen dazu deutschlandweit laut einer Pressemitteilung des Gesamtverbandes Textil-Mode sogar die technischen Textilien keine Umsatzsteigerungen mehr, die in den vergangenen Jahren noch das Zugpferd der Branche waren.

Besonders besorgniserregend ist der Umsatzrückgang in der Kleidungsindustrie. Hier seien die Umsätze seit Jahren kontinuierlich zurückgegangen, von Januar bis September dieses Jahres insgesamt sogar um rund fünf Prozent.

Für viele Unternehmen gehe es an die Existenz. Global agierende Billigketten verdrängen Qualitätsanbieter.

Hinzu kommt bekanntlich eine nicht weg zu diskutierende Krise im deutschen Modehandel mit zahlreichen Insolvenzen in den vergangenen Saisons.

Online-Plattformen setzen den stationären Handel außerdem massiv unter Druck, Wettbewerbs- und Preisdruck steigen.

Außerdem befinde sich die gesamte Branche durch die immer schnellere Digitalisierung in einer einschneidenden Umbruchsituation, die Investitionen und neue Geschäftsmodelle nötig macht. 

"Wir brauchen einen mittelstandskonformen zeitgemäßen Abschluss, der verständlich und umsetzbar ist. Dazu gehört auch, dass wir aus den Erfahrungen der Abschlüsse dieses Jahres in anderen Branchen lernen", mahnt Simon.
 
Aus Sicht der Arbeitgeber dürfe die Beschäftigung in den Betrieben nicht durch einen zu hohen Abschluss mit komplizierten Regelungen für noch mehr freie Tage und mehr Altersteilzeit gefährdet werden.

Die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie habe in den vergangenen vier Jahren nach einem Jahrzehnt des massiven Arbeitsplatzabbaus wieder kontinuierlich Beschäftigung aufgebaut. 

"Unsere Mitarbeiter kennen die Situation in ihren Unternehmen ganz genau und spüren, dass die Auftragslage vielerorts rückläufig ist. Keine Frage: Auch wir als Arbeitgeber wollen einen Abschluss, der die Leistungen unserer Mitarbeiter wertschätzt, mit dem wir aber gleichermaßen gemeinsam unsere textile Zukunft in Deutschland sichern", so Simon weiter.  

Die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie (inklusive Schuh- und Lederwarenindustrie) ist mit etwa 1.400 Unternehmen und rund 135.000 Beschäftigten im Inland die zweitgrößte Konsumgüterindustrie in Deutschland.

Deutsche Textil- und Modeunternehmen erwirtschaften einen Jahresumsatz von rund 35 Milliarden Euro (davon 60 Prozent Textil, 40 Prozent Bekleidung) und gelten damit in Europa als führend. 

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