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Valentinos Haute Couture im Cinecittà-Tonstudio

Übersetzt von
Aline Bonnefoy
Veröffentlicht am
22.07.2020
Lesedauer
3 Minuten
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Pierpaolo Piccioli brachte die Haute Couture von Valentino am Dienstag nach Rom in ein riesiges Tonstudio der legendären Filmstudios Cinecittà, um seine ganz besondere Kollektion in aller Pracht und voller Länge entfalten zu können.


Valentino - Haute Couture – Herbst/Winter 2020-2021


Die Show mit dem Titel "Of Grace and Light, Pierpaolo Piccioli In Dialogue With Nick Knight" war eine digitale Live-Übertragung. Der britische Star-Fotograf zeigte seine kunstvolle Inszenierung einer vorzüglichen Auswahl an Kleidern in einem ganz besonderen Rahmen.

Vor der Show war die Kamera durch die vielen Räume der 40‘000 Quadratmeter umfassenden Filmstudios Cinecittà gehuscht, und fing riesige Köpfe römischer Kaiser, sich abzeichnende Tempel, massive Adler und nachgebildete Kaiserpaläste ein.

Kurz vor dem Auftakt zur Show führte eine Kamerafahrt zu den berühmten Eingangstüren des Studios, auf den Spuren einer der großartigen Filmregisseure, die hier gearbeitet haben – Fellini, Rossellini, Visconti, Leone, Coppola und Scorsese. Es waren sogar Dekorelemente von Fellinis Casanova und Sets der TV-Serie Rom zu sehen.



Valentino - Haute Couture – Herbst/Winter 2020-2021


 
Dann erschien ein Model, das wie durch eine riesige schwarze Kiste zu schweben schien, und auf einem Trapez im Cinecittà-Tonstudio hin- und herschwang.

Knight und Piccioli hatten vor zwei Wochen an der digitalen Haute Couture-Saison in Paris einen knapp einminütigen Teaser für die Veranstaltung veröffentlicht. Zu sehen waren Bilder von unendlichen Stoffbahnen, die sich im leichten Wind wiegten.

Wie auch die Kleider der Herbst-/Winter-Couture-Kollektion 2020/2021, die hinter den Models herschweben. Die Entwürfe verkörpern "Couture als Einladung, mit offenen Augen zu träumen", so das Modehaus.

"In der Vergangenheit rückten in Zeiten des Neustarts, der Wiedergeburt, unweigerlich menschliche Werte in den Mittelpunkt. Menschlichkeit ist der Keim der Wiedergeburt. Wir befinden uns in einer solchen Zeit. Der Fokus liegt auf der Mode als zutiefst menschliche Tätigkeit, durch die wir dem Stoff mit unseren Händen Form verleihen, und Kreationen schaffen, die vom Körper zum Leben erweckt werden", ergänzte das Unternehmen weiter.

Riesige Blütenkleider und übergroße Reifröcke, auf die Knight Bilder von Rockbands und gigantischen Blütenblättern projizierte. Die Technik inspirierte sich an der Idee, die Knight bereits in einem gemeinsamen Projekt mit John Galliano für Maison Margiela erfolgreich umgesetzt hatte, für eine Show in der Serpentine Gallery in London.


Valentino - Haute Couture – Herbst/Winter2020-2021


In Rom schienen sich die Kleider in riesige Blumen zu verwandeln, andere nahmen die Form von festgefrorenen Eiszapfen an. Viele Fünfmeter-Kleider schwebten im Raum. War dies das Tonstudio 5, das bevorzugte Sound Studio von Fellini?

Die Models schwangen in der umfassenden Dunkelheit hin- und her und wurden von Scheinwerfern präzise beleuchtet. Und die sich ausbreitenden Seide-, Chiffon- und Tüll-Rollen wurden in karminrotes Licht getaucht, das von den Decken strahlte.

Models in Rom auf Trapezen zu zeigen ist für Valentino keine Premiere – man erinnere sich an die Abschiedsgala von Valentino Garavani vor dem Kolosseum vor zehn Jahren.

Wie auch alle anderen europäischen Couture-Häuser defilierte Valentino diesen Sommer aufgrund der Pandemie ausschließlich online. Die Veranstaltung in Rom war die vorletzte digitale Show bzw. Präsentation eines wichtigsten Modehauses im Juli. Die Abschluss-Show kommt Christian Dior zu, der am Mittwochabend einen Beitrag aus Apulien zeigt.

Japanische Drums erklangen zu Glockenklängen und Operetten, während dunkelhäutige Models in grandiosen weißen Kleidern ins Blickfeld schwangen und ehrwürdige Plissee-Seidenkleider und riesige Tüll-Wolken um sie herum wehten. Aufgebauschte Schultern an Abendkleidern, armbedeckende Metallic-Silberhandschuhe, riesige Kleider, die aussahen, als würden sie in den Äther steigen.

Die römische Schönheit Maria Carla Boscono tauchte kurz auf, bevor ein weiterer fabelhafter Entwurf folgte – ein Paradiesvogel-Look mit Marabufedern.

Non vogliamo essere subito gia cosi senza sogni, so die Tagline – ein Satz des italienischen Dichters und Regisseurs Pier Paolo Pasolini. Zu Deutsch: Wir wollen nicht plötzlich ohne Träume sein.

Für das Finale posierten 15 Models für eine Art gigantisches Stillleben, während sich Pierpaolo Piccioli zu tosendem Applaus vor seinem bescheidenen Publikum verneigte – vor Freunden, Familienmitgliedern und Mitarbeitenden.

"Mein tiefster Dank gebührt der Güte und dem Licht aller Menschen, die so hart an dieser Kollektion gearbeitet haben. Wenn ich an eine Zukunft denke, an die uns gegebene Möglichkeit, etwas Neues zu erschaffen, so kann ich nur hoffen, dass diese Zukunft mit den Händen und Herzen und mit derselben Leidenschaft von denjenigen Menschen mitgestaltet wird, die ich die Meinigen nenne", schloss der gebürtige Römer.
 

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